Das Deutsche Handwerk. Eine Säule der Wirtschaft im Wandel
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Sinopse
Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Dr. Dr. Ingo Stüben beschäftigte sich seit längerer Zeit wissenschaftlich mit dem Thema "Meister, Handwerk und ihre Organisationen". Die Aktualität dieses Feld zu untersuchen ergibt sich nicht nur aus der Novellierung der Handwerksordnung im Januar 2004 allein, sondern auch aus der Sonderstellung, die dieser Wirtschaftszweig in Deutschland seit vielen Dekaden mit seinem Marktzugang einnimmt. Die wirtschafts- und sozialgeschichtliche Arbeit beschreibt schwerpunktmäßig den "großen Befähigungsnachweis" (Meisterbrief) im Handwerk als Form obligatorischer Weiterbildung aus der historischen und aktuellen Sicht. Nach genauerem Hinsehen entpuppt sich die heutige Handwerksordnung auch als ein Relikt aus der Zeit des Nationalsozialismus, präziser aus dem Jahre 1935, als die Novellierung der Handwerksverordnung von Adolf Hitler durchgeführt wurde. Insgesamt gesehen jedoch hat sie sich als ein über Jahrhunderte hinweg gut funktionierendes Lobbying herauskristallisiert. Eine "Wiedergeburt" ergab sich im Jahre 1953, nachdem das amerikanische Votum der Be-satzungsmacht in dem in Zonen aufgeteilten Deutschland nicht mehr bestand und die "neue", bis Januar 2004 geltende Handwerksordnung in Kraft trat. Bis auf das Fehlen weniger Text-passagen handelt es sich bei dieser im wesentlichen um eine Kopie der nationalsozialistischen Handwerksverordnung, lediglich einige Passagen wurden gestrichen. In der Ausarbeitung der Kapitel dieser Studie werden diese Abänderungen detailliert beschrieben werden, um die Auseinandersetzungen um den "großen Befähigungsnachweis" im Handwerk aus der historischen und aktuellen Sicht aufzuzeigen. Der große Befähigungsnachweis als eine Art Markenartikelimage soll bescheinigen, dass der Handwerker die fachlichen und kaufmännischen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen besitzt, um die jeweiligen Aufträge selbstständig ausführen zu können. Es soll damit ein ent-sprechender fachlicher und unternehmerischer Standard im Interesse der Konsumenten (Konsumentenschutz), des Handwerks (Handwerksqualität) und der Handwerker selbst (Konkursgefahr) sichergestellt werden. Gerade diese restriktive Regelung der Marktzugangsberechti-gung führt zu wirtschaftlicher Ineffizienz und dämpft die Dynamik des Wirtschaftswachstums, da unter anderem Konkurrenten ohne Meisterbrief von vornherein in vielen Bereichen ausgegrenzt sind. Wie schon Shaked und Sutton aufzeigten, führt die Regulierung des Markteintritts durch eingesessene Unternehmen dazu, dass diese ihre Einkommen maximieren und dies zu Lasten der gesellschaftlichen Wohlfahrt geht. Der Autor beschreibt unter Berücksichtigung der gewerberechtlichen, berufsständischen sowie wirtschafts- und sozialpolitischen Bedingungen die Geschichte und den Wandel des Handwerks mit der Herausbildung der Zünfte und des modernen Handwerks mit seinem Kor-poratismus und stellt diese einander gegenüber. Hierauf folgt eine Diskussion der Probleme der Kartellierung, der regionalen Monopolisierung und insbesondere des Spannungsfeldes zwischen Gewerbefreiheit und Marktzugangsregulierung in Bezug auf die Handwerksbetriebe. Weiterhin wird der Leser über die aktuellen politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen des Handwerks informiert, da erst auf dieser Basis die Tragweite der Diskussion der For-derung nach mehr selbstständigen Gewerbetreibenden verständlich wird. Darüber hinaus findet auch die Abgrenzungspolitik von Industrie und Handwerk Erläuterung, da sie in der Praxis fortlaufend zu gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Konsequenzen führte. Um die Betrachtung auf die möglicherweise diskriminierenden Regelungen der Handwerks-ordnung zu lenken, die zu Verbrauchernachteilen im Zuge der Liberalisierung des Europäi-schen Marktes führen könnten, werden die subjektiven Gewerbezugangsvoraussetzungen im Handwerk der verschiedenen westeuropäischen Länder kurz erläutert und verglichen. Die Thematik soll mit einer Beurteilung, inwieweit die voneinander abweichenden nationalen Regelungen in einer freiheitlichen Wirtschaftsordnung zu Wettbewerbsverzerrungen führen und deutsche Handwerker bei Ihrer Berufsausübung benachteiligen, ihren Abschluss finden. Letztlich erweisen sich einige Bestimmungen der deutschen Handwerksordnung im europäi-schen Vergleich nach wie vor als wirtschaftshemmende Anachronismen, die weit mehr als nur Marktsegmente "auszubremsen" in der Lage sind. Neben der liberalen Partei FDP stellten auch das Bündnis 90/Die Grünen bereits vor ihrem Gesetzesentwurf zur Änderung des Geset-zes der Handwerksordnung in der 13. Wahlperiode fest, dass der schwierige Zugang zum Handwerk Existenzgründungen behindere. Zusammenfassend ist auszuführen, dass in der BRD trotz der Option einer marktlichen Rege-lung eine nicht-wettbewerbliche Lenkung erfolgt, durch die reglementiert und reguliert wird. Ein solcher Eingriff verursacht Kosten (z.B. für den Verbraucher durch überhöhte Preise) und erzeugt negative Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft. Die Aufgabe dieser Untersuchung besteht darin, die spezifische Branchenregulierung im Handwerk mit ihrem Gesetz zur Ord-nung des Handwerks (HWO) und der Meisterprüfung als Marktzugang transparent zu ma-chen. Alles unter der Fragestellung, ob aufgrund der Besonderheiten dieser Marktsegmente, innerhalb des heterogenen Handwerks, eine Marktzutrittsregulierung wirtschaftspolitisch prinzipiell notwendig und gerechtfertigt ist und welche Stringenz sich daraus nachfrage- und angebotsseitig ergibt. Es wird von dem Standpunkt ausgegangen, dass trotz der Novellierung 2004 noch ausreichende Potentiale zur Deregulierung in dem Metier Handwerk vorhanden sind und die unter-bliebene weiterreichende Deregulierung sich weder durch angebotsseitige- noch nachfragesei-tige-, geschweige denn marktliche Argumente begründen lassen, da dies einer wirtschaftsplu-ralistischen Grundordnung unserer Gesellschaft widerspricht, den regulierten Bereich so klein wie möglich zu halten, um beispielsweise eine Abwanderung der Nachfrager aufgrund kartellartiger überhöhter Preise in die informelle Ökonomie (Schattenwirtschaft oder Do-it-yourself) zu vermeiden. Zur Behebung dieser Gegebenheit wird daher eine Liberalisierung des Marktzuganges und eine Flexibilisierung der Ausbildung z.B. durch Module vorgeschlagen, wodurch sich bestehende Handicaps der Berufsausbildung abbauen ließen und folglich die Adaptionsfähigkeit an sich wandelnde Rahmenbedingungen rascher vollzogen werden könnte. Die erschienende Publikation "Das deutsche Handwerk. Eine Säule der Wirtschaft im Wandel" (ISBN 3-9809508-3-2, Verlag editiononline.de, Hamburg) ergänzt die Analyse um den Handwerksbereich durch eine neue institutionsunabhängige Umfrage bei 1280 bundes-deutschen Handwerksbetrieben, die es ermöglicht, einen tieferen Einblick zu erhalten und den Leser in die Lage versetzt, die Komplexität des Handwerks und seiner Implikationen besser zu verstehen. Die Studie kann als Empfehlung für Politik, Handwerk und Unternehmer ange-sehen werden, da bei Nichtbeachtung des Wandels mögliche Einflussfaktoren dafür Sorge tragen, dass sich die deutschen selbstständigen Handwerker langfristig im EU-Binnenmarkt durch ihr selbst gewolltes und verteidigtes Regelwerk (HWO) ausbooten.
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